Ein Paar. Eine Kolumne. Das Buch dazu.

 Von Liebesglück und Alltagsfallen:

das Buch zur Sonntags-Kolumne

»Du machst mich wahnsinnig« war früher einmal ganz anders gemeint. Heute träumen wir von getrennten Geschirrspülern und anderen Fluchtwegen aus der Alltagsfalle. Wir pendeln zwischen Baumarkt-Bummel, Ikea-Besuch und Urlaubsträumen. Unsere Sie & Er-Kolumne erscheint seit drei Jahren in der Tageszeitung Kurier - genau besehen, in der Beilage zum SonntagsKurier "Mein Sonntag", und hat sich mit der Zeit zum Erfolgsformat entwickelt. Darauf sind wir schon ein wenig stolz. Genauso wie auf unsere Kolumnensammlung in Buchform, im Februar im Amaltheaverlag erschienen, der wir noch den einen oder anderen Gedanken hinzugefügt haben. Jedenfalls sind wir überzeugt: Lachen – und zwar miteinander – ist die beste Paartherapie.  Aber klar: Manchmal gibt es Situationen, die sich damit nicht vereinbaren lassen, weil sie zu ernst und auch zu intim sind. Manche Dinge lassen sich nicht "weglachen", das ist uns bewusst. Doch eine  der zentralen Ingredienzien einer Beziehung, die sich "in Bewegung" befindet, ist die Fähigkeit, sich zu hinterfragen und manches, was passiert, aus der "Hubschauberperspektive" zu sehen. Um zu bemerken, dass in dem "Gesamtkunstwerk" alle Beteiligten ihre Fäden ziehen - und nicht nur einer, der Schuld an allem tragen soll. Ein wichtiger erster Schritt zur Beziehungerkenntnis. Wenn das mit einem Augenzwinkern, mit Nachsicht, mit Einsicht einher geht, dann ist ein wichtiger Schritt getan.


Das Video vom Amalthea-Verlag zu "Du machst mich wahnsinnig"



Paaradox auf der Bühne.


Irgendwann im November 2013 hat uns Thomas Gratzer, Direktor des Wiener Rabenhoftheaters, gefragt, ob wir denn nicht Lust hätten, im Rabenhof aufzutreten und aus unseren Texten zu lesen.

Um ehrlich zu sein: Wir waren unsicher. Also haben wir erst einmal das getan, was man in so einem Fall tut: nix. Irgendwann ist er noch einmal auf uns zugekommen mit dem obligaten "Nau, habt Ihr es Euch schon überlegt?"

Hatten wir nicht.

Wir konnten uns nicht vorstellen, dass 300 Menschen - so viele passen ca. in eine Vorstellung - kommen würden, um uns zu sehen. Irgendwann haben wir uns drübergetraut. Zwei Lesungstermine gingen online - und waren im Nu ausverkauft. Wir waren baff, aufgeregt, enthusiasmiert. Und überlegten uns - gemeinsam mit Thomas Gratzer - wie wir das Ding auf die Bühne kriegen. Herausgekommen ist ein feiner Abend, bei dem wir uns immer noch sehr wohlfühlen. Nah am Publikum, mitten im (Beziehungs-)Leben und auch nah an uns "selbst". Denn was wir sicher nicht sein wollen: Kunstfiguren. Uns ist wichtig, dass wir wir selbst bleiben können. Und dass sich die Menschen in unseren - oft so banalen - Geschichten wiederinfinden. Wir wollen darüber reden, darüber lachen, manchmal auch darüber weinen. Wir wollen das, was wir erleben teilen. So soll's auch in Zukunft bleiben. Und ja, an dieser Stelle ist vor allem eines zu sagen: Danke, liebes Publikum, dass Sie uns bisher so wunderbar angenommen haben, mit und über uns lachen konnten. Und sich wiederfinden in unseren Geschichten. Ein gutes Gefühl, ganz und gar nicht paaradox. Sondern einfach nur schön.

Das Interview zu unserem Buch



Anlässlich unserer Buch-Neuerscheinung hat KURIER-Kollege Axel Halbhuber mit uns ein Interview gemacht, bei dem wir es ziemlich lustig hatten. Auch Fotograf Franz Gruber, übrigens. Voila, hier der Text:

 

Eine glückliche Ehe mit alltäglichen Schlagabtäuschen um verschwundene Socken, volle Handtaschen und andere Beziehungs-Banalitäten – Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl nennen ihre sonntägliche Paarkolumne aus gutem Grund "Paaradox". Was da seit knapp drei Jahren zu lesen ist, wird seit Herbst als Bühnenshow im Wiener Rabenhof-Theater gezeigt, stets ausverkauft. Und ist seit dieser Woche als Buch erhältlich. Der Erfolg wirft die Frage auf: Warum interessiert so viele ein Mann/Frau-Blick auf den Alltag? Und ist er überhaupt echt? Zu Beginn des Gesprächs, das mit den Kollegen im gewohnten Duwort stattfindet, reichen rosa Herzen, damit Kuhn und Hufnagl die zweite Frage wortlos beantworten: Sie spielen damit wie junge Verliebte.

 

KURIER: Die Sichtweisen in der Kolumne sind oft bis zum Klischee überspitzt. Seid das ihr oder bedient ihr Kunstfiguren?


Gabriele Kuhn: Überhöhte Figuren, aber authentische, es wird auch als authentisch erlebt. Natürlich zugespitzt, aber es entspricht der Wahrheit, das sind schon wir.

Michael Hufnagl: Wir beschreiben Alltagssituationen. Würden wir sie nicht überhöhen, wären sie fad. Der Erfolg der Kolumne liegt darin, dass sich Menschen damit identifizieren. Die Leute kennen diese Muster. Wir schreiben sie auf, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit mildem Spott und Ironie.

 

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Foto: KURIER/Franz Gruber

Zu viel Banalität kann aber auch fad wirken, oder?

Hufnagl: Die Banalität ist der Schmäh der Geschichte. Es ist eben keine geistig tiefsinnige Abhandlung über das Mann-Frau-Thema und die Probleme, die sich aus dem Gemeinsamen ergeben. Wir bilden die Banalität ab, so dass man über die Dinge, die einen eigentlich ärgern, lachen kann. Mich machen diese Dinge ja narrisch, der Witz ergibt sich aber aus dem Blick auf mich, wie ich mich ärgere.

Kuhn: Wesentlich ist, dass man zu dem, was man tut, immer wieder Abstand gewinnt und die Situation in ihrer Absurdität erkennt. Darüber zu lachen, bringt einen näher, man erkennt, wer bin ich ich, wer sind wir. Ich schau mich oft selbst von oben an und sage: Ich kepp’l nur mehr, da muss man schon fragen: Was ist der Urgrund des Keppelns, wo ist die eigene Unzufriedenheit?

Hufnagl: Gaby hat einmal gesagt: Wir sind wie in einer italienischen Komödie. Wenn du das über dich sagen kannst, übereinander und miteinander lachen kannst, hast du viel gewonnen.

 

Klingt fast wie ein therapeutischer Tipp. Werden Menschen mit Beziehungsdrama durch eure Texte therapiert?

Hufnagl: Therapie ist zu hochgegriffen, aber wenn man selbst in der Falle drinsteckt, tut es manchmal gut zu sehen: Das ist wie bei uns, mein Gott, worüber wir uns eigentlich aufregen. Das kann ein Krampflöser sein.

 

Ihr seid also Role Models. Im Buch schreibt ihr: "Die große Kunst des Paarseins ist es, an der Zeit zu wachsen." Wie seid ihr in 17 Jahren gewachsen?

Kuhn: Ich glaube, man kann nur an der Reibung und an Tiefs wachsen, und wir hatten einige in der lange Zeit. Ich halte Beziehungen, die nie Tiefs haben, für fragwürdig. Uns haben sie toleranter, größer und selbstreflektierter gemacht.

Hufnagl: Ich habe durch diese Frau Weisheit, Gelassenheit gelernt, und über den Schatten zu springen, um sich auf Tiefgang einzulassen. Das war mir früher nie wichtig. Offensichtlich habe ich unbewusst immer eine ältere Frau gesucht, die mir das Wilde runterräumt.

 

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Foto: KURIER/Franz Gruber

Ihr seid zehn Jahre auseinander, dazu passt die Rollenverteilung im "Paaradox", die weise Gabriele und der locker-leiwande Michael. Wie oft sagt denn einer von euch: Das ist gemein, das kannst du nicht schreiben?Hufnagl: Ich bin der Angerührtere, mir ist die Außendarstellung wichtiger als der Gaby. Ich denke, wer das aller liest, was denken sich die dann? Gaby ist gut im Nehmen.

 

Apropos: Über Sex schreibt ihr im „Paaradox“ gar nicht.
Kuhn: Das ist der intimste Bereich, das ginge nicht. Auch über echte Probleme oder Beziehungskrisen würde da nie etwas stehen. Oder Details aus unserem Familienumfeld.
Hufnagl: Ich glaube, dass unser Publikum das gar nicht will. Es wäre eher irritiert, wenn ich schreiben würde, welche Stellung wie nicht funktioniert. Das ist ein automatisches Tabu.
Kuhn: Ich bin durch zwölf Jahre Sexkolumne (KURIER freizeit) sehr abgebrüht.

 

Aus dem Buch: "Der Alltag und genau solche Situationen sind der größte Feind der Liebe." Führen die Scharmützel in einer Ehe immer zum Ende oder gehört das einfach dazu?

Kuhn: Viele Ehen werden geschlossen, da hatten beide noch kein Leben davor. Michi ist aber mein zweiter Mann, wir hatten beide ein intensives Vorleben. Da weiß man schon, dass man immer wieder an die gleichen Problemstellen kommt. Und dass man daran arbeiten muss. Beziehungen sind harte Arbeit. Hat man das noch nicht erfahren, bricht bei der ersten Krise ein Traum zusammen.

Michi: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es passiert so lange immer das Gleiche, bis man in sich geht und sagt, was stimmt mit mir nicht? Wenn der wirklich große Wickel kommt, kann man sich schleichen oder sagen: Schauen wir uns das an! Das tut weh und ist mühsam. Wir beide haben uns auch schon nächtelang erklärt, mit Tränen und Wut, so weit kommen viele gar nicht.

 

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Foto: KURIER/Franz Gruber

 

Auf der Bühne sagt ihr euch als Schlussnummer einmal etwas Nettes. Was gefällt euch am anderen noch immer?

Hufnagl: Für mich ist es das Bild, wenn ich aufwache und ich sehe sie noch schlafen, dann ist das Gefühl in diesem Frieden, ich würde mich in der Sekunde wieder in diese Frau verlieben. Da halte ich alles andere aus.

Kuhn: Das beste Indiz ist, sich immer wieder auf den Menschen zu freuen. Du denkst nicht, der sollte einmal auf Urlaub fahren, ich will alleine sein, sondern man freut sich immer auf den Tag mit ihm, weil er mich neugierig aufs Leben macht.